» Welpenstuben:    Stand vom 12.02.2017

    An dieser Stelle gewähren die im OHFVe.V. organisierten Züchter einen Einblick in ihre Arbeit, genauer in die Ergebnisse ihrer züchterischen Bemühungen. Wir haben dabei keine Scheu davor, auch Dinge anzusprechen und zu zeigen, welche gerne ausgeblendet werden; weil sie unschön sind, weil man sich schämt, "sowas" im Wurf gehabt zu haben oder weil es nicht in das Schema von klein & niedlich paßt.
    Niemand ist glücklich darüber, wenn inmitten einer Gruppe völlig gesund erscheinender Neugeborener ein Tier mit offensichtliche Abartigkeiten heraussticht. Das kommt ja auch beim Menschen zuweilen vor und vor nicht allzu langer Zeit, hat man solche Kinder schamhaft vor der öffentlichkeit versteckt, weggesperrt oder in irgendein Krüppelheim - so die zeitgenössische Bezeichnung - möglichst weit weg verfrachtet. Diese Einstellung hat sich inzwischen gewandelt - wenigstens soweit es Menschenkinder betrifft. Bei Tierkindern ist das noch etwas anders - da fürchtet mancher der sich Züchter nennt wohl um seinen "guten Ruf" und verschweigt solche Pannen schamhaft. Warum? Wem nutzt das? Dem Absatz?
    Wir werden einen anderen Weg beschreiten. Wir zeigen, was alles möglich ist, wir zeigen auch, wie man damit verantwortungsvoll umgehen sollte. Leiden nicht erst aufkommen zu lassen ist tausendmal besser als diese mit allen nur denkbarem Einsatz lindern zu wollen. Vielfach herrscht der Irrglaube, daß ein Tier nicht so leiden würde wie ein Mensch - wohl weil es nicht ständig jammert und sich weitgehend unauffällig verhält. Dieser Irrtum basiert darauf, daß ein Tier erheblich disziplinierter ist denn wenn es augenscheinlich ein gesundheitliches Problem hat, ist seine überlebenschance sehr stark eingeschränkt. Nicht nur daß es sich selbst nicht mehr vernünftig und ausreichend ernähren kann, es wird auch zur leichten Beute für Stärkere.
    Tiere mit Kieferanomalien würden bald einen Hungertod erleiden oder selbst zur Nahrung werden, weil sie sich nicht angemessen verteidigen können. Tiere mit Augenanomalien können keine Beute sicher fxieren, verschätzen sich bei Entfernung und Geschwindigkeit. Tiere mit Rutenfehlern und angezüchteten Verkrüppelungen sind als Hetzjäger nahezu chancenlos weil sie nicht ordentlich lenken können. Tiere mit zu kurzen Nasen, einer ganz beliebten Entartung der Zucht von Hunden und Katzen, leiden nicht nur an erhöhter Infektionsrate, sie leiden auch an einer zu geringen Temperaturregulation da sie zu wenig Verdunstungskälte erzeugen können. Im Endeffekt kollabieren sie an überhitzung.

    Abgesehen von Fällen, in denen das obskure menschliche Schönheitsempfinden unseren vierfüßigen Hausbewohnern das Leben absichtsvoll zur Hölle zu machen trachtet und die deswegen beim OHFVe.V. als Qualzucht eingestuft und nicht weiter gezüchtet werden dürfen, reden wir hier von Ausfällen, die in einem ansonsten ganz normalen Wurf - aus den unterschiedlichsten Gründen - zuweilen vorkommen. Es muß sich dabei nicht zwangsläufig um vererbte / vererbbare Defekte handeln. Die Wahrscheinlichkeit, daß es so ist, kann aber nicht von der Hand gewiesen, sie muß labortechnisch akkurat abgeklärt werden.

    Die zwei vorstehenden Fotos zeigen den 3,1 A- und 2,2 B-Wurf, gefallen von den gleichen Eltern. Alle Welpen putzmunter, ohne erkennbare Einschränkungen und wie es sich gehört, völlig selbständig geboren und entbunden von der Hündin. Der Normalfall als Besonderheit? Leider ist das bei einigen Rassen und Zuchten, dank gewissenloser Vermehrer oder geistloser Produzenten die sich selbst als Züchter bezeichnen, tatsächlich schon soweit verkommen. Doch das kann und darf nicht unsere Orientierung sein. Der Normalfall ist Standard und an ihm ist alles das zu messen, was von einem idealen Reproduktionsprozeß abweicht. Es mag etwas distanziert und nüchtern klingen, wenn wir bei unseren Kuscheltieren von Reproduktion sprechen doch es ist nunmal die normalste Sache von der Welt, daß sich Lebewesen fortpflanzen um ihre Spezies zu erhalten; sie selbst re - produzieren sich ohne menschliches Zutun in erstaunlicher Variabilität, leider oft nicht so wie Mensch sich das vorstellt. Das hängt damit zusammen, daß alle Haushunde der gleichen Species angehören und folglich auch keine trennenden Paarungsrituale haben die eine natürliche Barriere gegen Artbastardierungen bilden. Bei den Haushunden ist das einzige übel, daß sich im Verlaufe der jahrhundertelangen Zuchtwahl und gezielter Selektion ganz bestimmte Gruppenmerkmale herausgebildet haben, die schließlich zur Definition von Rassen führten, welche im gesamten Tierreich unterschiedlicher nicht sein können. Dabei ist der Rassebegriff mit der Hochzucht der Jetztzeit verbunden, reicht kaum mehr als 200 Jahre zurück und kennt nur sehr wenige wirkliche Rassen. Eine der ältesten ist der Spitz. Dabei ist die Variabilität im Habitus erst in den letzten Jahrzehnten aus rein monetären Gründen so extrem überbetont worden. In der Vergangenheit wurden Hunde nahezu ausschließlich nach ihrem Charakter gezüchtet. Dem Sein wurde also viel mehr Bedeutung beigemessen als dem Gegenteil dessen, dem Schein. Dieser Unterschied ist ursächlich ausschlaggebend für den zunehmenden Verfall der Rassegesundheit. Die Wegwerfgesellschaft pflegt sich mit netten Accessoires zu umgeben die eben mal zur Couchgarnitur passen und wechselt man die Einrichtung, dann wechselt man auch das Beiwerk in Form eines Hundes mit aus - sofern es nicht vorher ins Gras gebissen hat - daran arbeiten Generationen sogenannter Züchter vehement mit zunehmendem Erfolg.


    2,3 C-Wurf, die "Schornsteinfegerbrigade"

    Wir sind hier in den Welpenstuben - dort wo u. U. die nächsten Mißbrauchsopfer liebevoll aufwachsen. Ob es dazu, zum weiteren Mißbrauch der Kreatur, kommt liegt zum allergrößten Teil in der Hand des Züchters, weniger darin mit wieviel Hingabe er seine Hundefamilie umsorgt sondern zuerst darin, mit welcher Sorgfalt er die Zukunft für seine Welpen plant. Das ist in erster Linie mit der Auswahl der neuen Besitzer verbunden und diese wiederrum hängt zu einem großen Teil mit der gewählten Angebotsform zusammen. Ein weiterer, ebenso wichtiger Aspekt ist die Wahl des Abgabealters. Wer in seinem Leben wirklich Hunde nicht nur einer Rasse gezüchtet hat der weiß, daß die gesamte Entwicklung, sowohl körperlich als auch geistig, bei kleinbleibenden Rassen, verglichen mit normalgroßen Hunden, wie in einem Zeitraffer abläuft. Und wenn man das bedenkt und liest dann in diversen Zuchtordnungen von allerlei Vereinen solche Richtlinien wie die, daß das Mindestabgabealter bei Kleinrassen ca. 20% höher als z.B. beim DSH, Rotti etc. liegen muß, letztgenannte mit 8 - 10 Wochen das Haus verlassen sollen, drängt sich doch förmlich die Frage auf ob Leute, die sowas erdacht haben, im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte stehen? Und zur Krönung dann noch das Gefasel von der Sozialisierung. Daß diese nirgendwo perfekter als im eigenen Rudelverband = in der Kleinfamilie Mutterhündin + Welpen erfolgen kann ist eine Binsenweisheit die einfach so weggelogen wird. Sozialisierung - da sind ja manche schon stolz wenn sie es fehlerfrei schreiben können - hat nichts damit zu tun, daß ein Welpe Spaß dran hat wenn er auf dem Staubsauger durch die Bude geschoben wird. Das ist nicht mehr und nicht weniger als Ausdruck von Wesensstärke denn das Tier fällt ja nicht von Jetzt auf Gleich aus dem tiefsten Urwald in unsere Kulturlandschaft. Es hat vom ersten Tage an vielfältige Umweltreize zu verarbeiten - auch schon, wenn die Gehörgänge noch geschlossen sind! Es lernt so von alleine, so wie es von alleine laufen lernt, die Gegenstände der zivilisierten Welt zu begreifen, zu riechen und zu spüren ob sie warm strahlen oder kalt sind. Und es wird irgendwann anfangen, von ganz alleine damit spielen zu wollen - was in erster Instanz bedeutet: Gucken was es aushält, wie lange es den Beißerchen Widerstand bietet etc. Ein überängstlicher Hasenfuß wird um solche Dinge eher einen Bogen machen. Da spielt es keine Rolle ob man ihn mit drei Wochen auf so ein Teil setzt oder noch ein paar Monate wartet. Das erschließen der vielfältigen Reize die von +/- toten Gegenständen aus dem Lebensumfeld ausgehen hat mit Sozialisierung nicht im Geringsten zu tun denn alle diese Gegenstände können nicht auf die Fragestellungen eines neugierígen Welpen antworten vielmehr muß dieser die pasenden Antworten sich selbst geben. Einbeziehung des Lebensraumes in das eigene Tun durch erlernen ist somit - stark vereinfacht ausgedrückt - das Gegenstück zur Sozialisierung, die Habituierung. Sozialisierung, das erlernen des richtigen Sozialverhaltens, geschieht einzig mit und unter den eigenen Artgenossen, also der Hundefamilie - alles andere ist Unfug! Ein Sozialverhalten selbst ist nur von kommunikativen Lebensgemeinschaften bekannt und definiert den gegenseitigen Austausch von Signalen der Willensbekundung und deren Verstehen. Der Lernprozeß dazu beginnt spätestens unmittelbar nach der Geburt, wenn die Welpen von ihrer Mutter abgenabelt und getrocknet werden, sich beim saugen eng aneinanderkuscheln und in den Ruhephasen ggfs. zur Wärmepyramide stetig umorganisieren. Eine Sozialisierung Hund-Mensch ist geradezu absurd denn der Mensch ist es, der den Hund erziehen muß - oder von ihm erzogen wird. Sinn und Zweck der Sozialisierung ist einzig darin begründet, daß sie dem Hund das überleben sichert wenn er mit anderen, fremden, stärkeren Artgenossen zusammentrifft. Wenn ihm dann ein paar Lektionen im Verhaltensrepertoire fehlen - etwa weil er viel zu früh aus der Familie herausgerissen wurde - kann das u. U. tödlich für ihn enden. Der Mensch als Ersatzrudel tritt bestenfalls möglichst zeitig in das Leben und den Lernprozeß des Welpen ein, und dieser Zeitpunkt selbst liegt lange vor der Geburt des Welpen! Durch den innigen Kontakt der Mutter zu ihren Bezugspersonen wird der noch ungeborene Welpe mit den einzelnen Stimmlagen und Lautmustern der Züchter vertraut und da diese Geräusche völlig anders geartet sind als die Lautäußerungen von Mutter und ggfs. Mithunden, findet hier vermutlich bereits ein selektives lernen statt. Das kann im Falle des Menschenschemas freilich nicht funktionieren, wenn Hunde in irgendwelchen Verschlägen oder Zwingern meistenteils weggesperrt dahinvegetieren müssen, wie das bei Massenvermehrern nunmal nicht anders geht.


    Anastasia hält Siesta

    Oft kann man auch einen Passus lesen, daß Hunde die zu Therapiezwecken ausgebildet werden sollen schon in viel früherem Lebensalter aus dem Rudel genommen werden sollen oder dürfen. Das allerdings ist nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen doch auch hierbei gilt, daß sich jedes Lebewesen - und da macht eben ein Hund keine Ausnahme - entsprechend seinen individuellen Veranlagungen, seinem Charakter, unterschiedlich schnell entwickelt. Wenn ein Hund zur "medizinischen Hilfskraft" ausgebildet werden soll, dann muß er zuerst sehr wesensfest sein, einen ausgeglichenen Charakter haben - Typ Sanguiniker ist optimal - und eine gewisse Lernwilligkeit mitbringen. Wenn solche Anlagen erkennbar sind, dann kann es nur noch darum gehen, daß das Tier möglichst früh an seinen künftigen Rudelführer gebunden, auf ihn geprägt wird. Diese Zweitprägung wird niemals die Prägung auf die Hündin die ihn geboren und aufgezogen hat auslöschen; sie wird verblassen, im Langzeitgedächtnis abgelegt werden aber sie wird lebenslang erhalten und abrufbar bleiben wobei es mir zweifelhaft scheint, ob dieses das Abbild "Mutter" oder doch eher "Artgenosse" ist. Der neue Rudelchef muß also Ersatzmutter im Sinne von Sicherheit, Nahrung, Wärme und Respekt zugleich sein. In diesem Falle kann und muß billigend in Kauf genommen werden, daß dem Hündchen tatsächlich ein paar Lektionen "hündisch" fehlen doch dafür ist es auf andere, behutsamere Umgangsformen umprogrammiert worden und wird eher nicht mit den "Gefahren der Straße" in Form anderer Artgenossen konfrontiert werden. Da hieraus resultierende Auseinandersetzungen praktisch durch gewollte Vermeidung nicht vorgesehen sind, braucht der heranwachsende Hund auch keine Rituale erlernen, welche bei Kämpfen unter Artgenossen im Normalfalle die gegenseitigen Beschädigungen auf oberflächliche Blessuren begrenzen. Der Welpe muß auch lernen, daß die zu solchen Auseinandersetzungen dazugehörende Geräuschkulisse absolut unerwünscht ist - Schmerz still erdulden, bestenfalls leicht grollen aber keine aktive Gegenwehr einleiten sind Verhaltensmuster, die einer Sozialisierung entgegenstehen weil sie der "Gegner Hund" einfach nicht bzw. mißversteht. Unser kleiner Therapiehelfer lernt oder hat gelernt, daß kleine Fingerchen kein Ersatz für Kauknochen sein sollen sondern daß sie auch mal heftig kneifen können, was weh tun kann, aber nicht so weh, daß es als Bedrohung empfunden wird. Der kleine Vierfüßer wird es gelernt haben, daß er nicht mehr darauf warten braucht, von einem Zweibein abgeschlappt zu werden und im Gegenzug ist das auch nicht unbedingt so sehr erwünscht - obwohl man es doch soooo gerne macht. Hm, ja, ein sozialisierter Hund weiß diese Form des Austausches durchaus richtig einzuschätzen und wird sie konsequent anwenden. Unserem kleinen Krankenpfleger dagegen muß sie abgewöhnt werden - also eine "Entsozialisierung" erfolgen. Geht man nun davon aus, daß in einem Rudel erwachsener Hunde die Regel gilt, daß aktiver Körperkontakt stets vom Ranghöheren auszugehen hat wird es auch leicht zu verstehen sein, daß unser kleiner Krankenpfleger auf der untersten Stufe der Rangordnung zu stehen hat = ALLES nur vorstellbare ohne überreagieren erdulden muß. Erlaubt ist lediglich die passive Gegenwehr durch körperlichen Entzug. Dies ist die Form der vollkommenen Unterordnung und geht somit weit über das eigentliche Sozialverhalten in einer Hundefamilie hinaus.

    Wird fortgesetzt!